ARMINS  PARTY

19 Kurzgeschichten

INHALT

 

Mein kleiner Albaner

Im Krankenzimmer resultiert aus einem frühmorgendlichen Kontakt mit einem ausländischen Mitpatienten eine Abwehrhaltung, die eine unvorhergesehene Wendung nimmt.

 

Das Porträt

Ein alter Mann kehrt nach vielen Jahren in sein Heimatdorf zurück und feiert mit seinen alten Bekannten das Wiedersehen.

 

Damenwahl

Mutter und Sohn erleben das Erntedankfest ihrer Gemeinde während zweier Tanzveranstaltungen  Beide werden ihre Erlebnisse nie vergessen.

 

Der Brief

Ein Soldat kehrt nach einem ereignisreichen Wochenende in seine Kaserne zurück und erinnert sich während der Zugfahrt.

 

Der Kaffee war gut 

Ein Soldat erlebt ein ereignisloses und langweiliges Wochenende in seiner Kaserne.

 

Breitling Supersports

Ein cooler Typ hat einen heftigen Streit mit seiner Freundin und beschließt, ein Ende zu machen.

 

Das Bügelzimmer

Eine verhärmte Frau im mittleren Alter erinnert sich an vergangene Zeiten mit ihrem Mann und ihrer Freundin.

 

Der Pfälzer

Einige Gymnasialschüler sitzen mit ihrem Mentor in dessen Wohnung und philosophieren über das Leben.

 

Das weiße Kleid

Es ist Halloween. Ein Ehepaar beginnt auf dem Weg zum Fest einen Streit.

 

Tauben am Fluss

Ein Obdachloser sitzt auf einer Parkbank und muss sich die Vorhaltungen einer Gefährtin anhören.

 

Armins Party

Als zwei Schwestern sich über die Zeit ihrer Kindheit und Jugend unterhalten, kommt ein Geheimnis ans Licht.

 

Die zugezogenen Gardinen

Ein Junge muss mit der Trennung von seiner ersten Liebe fertigwerden.

 

Das Licht am Ende des Tunnels

Ein erfolgloser Sohn rechnet auf der Fahrt zu seinen Eltern mit seiner Kindheit ab.

 

Das Versprechen

Eine junge Frau verbringt einige Tage auf dem Land und führt ein interessantes Gespräch.

 

Kontoeröffnung

Einige Jugendliche wollen bei der Sparkasse Konten eröffnen und die Eröffnungsprämie kassieren.

 

Wodka                                                                                                                                                                                

Ein Junge lebt mit seinem alkoholkranken Vater zusammen und besorgt ihm den Wodka.

 

Auf Hering

Zwei Freunde machen sich auf den Weg nach Dänemark, um Hering zu angeln.

 

Hindenburgdamm

Drei junge Männer haben einen Plan. Bei der Durchsetzung stoßen sie auf Schwierigkeiten.

 

Griechischer Wein

Eine Band feiert eine Aftershow-Party, und der Bassist hat Neuigkeiten.

    Kontoeröffnung                             

 

Die Sache ist so gewesen:

Ich hatte kein Geld mehr. Wieder mal. Das hört sich so leicht dahingesagt an. Aber vergiss es! Das ist es nich. Sowas geht dir ganz schön auf´n Senkel. Ich meine: Deine Existenz ist bedroht. Und das ist nich lustig, sag´ ich dir.

      Also, das mal vorweg. Okay? Damit man versteht, was da passiert ist.

     Letzten Endes: Ich konnte gar nichts dafür. Soll ich dir jetzt auch noch all die anderen Sachen aufzählen? Vater Alkoholiker - Mutter auch irgendwann – üble Kindheit – schlecht in der Schule – keine Ausbildung? Ich lass das. Bringt eh´ nichts.

 

Also, die Sache ist so gewesen: Ich geh´ wie jeden Tag zum Sani  das ist so´n abgewrackter Krankenwagen, der bei uns um die Ecke steht. Ohne Räder und so. Natürlich privat, sonst hätte die Stadt den ja schon längst weggeholt. Da haben wir vom Viertel unseren Clubraum: ´n paar alte Sessel, ´n Sofa, Campingtisch, Kühlschrank und – so´n richtig geilen Ghettoblaster. Lautsprecher links und rechts unter der Decke.

     Da treffen wir uns. Wenn wir alle da sind, sind wir zehn. Drei Torten sind auch dabei.

     »Dreh´ den leise da!«, sagt Benny. Und macht mit dem Kopf so´ne Bewegung zum Radio hin.

     »Wieso?«, will Kevin wissen. »

     »Mach einfach!«, antwortet der.

     Er macht also – Kevin.

     Alle kucken Benny an. Der will ja was sagen – so sieht´s aus.

     »Also – ich hab da was gehört.«, erzählt er dann auch, »ich will ja nichts gesagt haben. Aber dass wir klamm sind – wir alle – das

weiß ja wohl jeder. Ihr kennt die Sparkasse. In der Marktstraße. Oder? Wenn du´n  Konto eröffnest, geben sie dir 100 Euro. Is auch Geld. Und nu rechne mal! Zehn Konten mal hundert. Macht wie viel?«

     Er lässt die Frage im Raum stehen. So ohne Kommentar. Und wartet.

      »Na?« fragt er nach – ´n bisschen ungeduldig, »Macht wie viel?«, wiederholt er. Schon ungeduldiger.

      »Tausend?«, antwortet Nicki zaghaft.

     »So isses!«, meint er – er, Benny.

     Keiner sagt was. Konto eröffnen! Wie jetzt? Wozu´n  Konto? Wer braucht´n  Konto? Aber dann sind alle schnell bei diesem Geldbetrag, den Benny da in den Raum geworfen hat. Tausend Euro! Mann! 

      »Dann haben wir tausend Euro, also?«, fragt einer.

     »Hast es erfasst, Digger«, antwortet Benny. »Sieht so aus.«

     »Das Konto gibt´s  doch nur, wenn du ´ne Arbeit hast«, mach´ ich ihm klar. «Also, vergiss es!«

     »Stimmt nich!«, kontert er, »jeder hat Anspruch auf´n  Konto. Jeder!«

     »Also ich auch?«,fragt Bastian. Der ist erst fünfzehn.

      »Logo!«, erwidert Benny. »Gehörst du nich zu jeder? Oder was?«

     »Glaub´ schon«, meint der.

     »Und was wollen wir mit dem Geld?« Die Frage kommt von Kristin. Die ist auch schon achtzehn und Friseurin beim  Stegner drüben. Ihr wisst ja: Friseurinnen haben nich so scheußlich viel. Also sind die auch zufrieden mit weniger.

     Ich überlege schon. Ich weiß auch ganz genau, was tausend heißt. War in Mathe immer ganz gut.   

     Aber andererseits: Die tausend wären ja nich für mich allein. Das wär sonst schon  ´ne Zahl: Tausend! Aber –wie gesagt – für zehn Leute? Irgendwie lande ich also immer dabei, dass es hier nur um einhundert geht für jeden von uns.

     »Also? Was is?«, drängelt Benny.

     »Was is was?«, will ich von ihm wissen.

     »Aaah! Mann! Wollen wir auf der Sparkasse ´n Konto eröffnen oder nihich?«

 

Also. Langer Rede kurzer Sinn: Wir wollten nich. Keiner wollte, außer Benny eben.

     Also, genau genommen – bei Licht betrachtet – wenn wir mal ehrlich sind: Das bringt gar nichts. Du hast die hundert Euro schneller ausgegeben, als du´n  Joint durchziehst. Und dabei ist immer noch nich klar, ob wirklich jeder´n Konto eröffnen kann überhaupt.

 

 So fing das alles an. Ist ja noch nich verboten. Oder? Das Ganze. Kann man sich doch drüber unterhalten. Oder nich?

     Abends sind alle weg. Zu Mama. Essen. Einer ist noch da: Benny. Benny und ich sind noch da.

Hören Ghost und Metallica. Ich fahr´ auch voll auf Slayer ab – die, wo der eine so´n Zopf im Bart hat, Kerry King

Und ziehen uns das ein oder andere Bier rein. Oder auch beide – Okay! Okay! War´n Scherz, Mann!

     Also, wir hängen da jedenfalls so ab, ´ne Stunde vielleicht oder so. Da schrei ich zu Benny rüber

     »Wieso nich Sparkasse?«

     Er: »Sag ich doch: Wieso nich Sparkasse?«

     Ich: »Nich, was du denkst. ´Ne ganz andere Dimension.«

     Ich lass das Wort erstmal sacken bei dem, damit er merkt, mit wem er es zu tun hat, und damit er mich ernst nimmt. 

 

Den Schluss verschweige ich. Ihr sollt ja noch neugierig bleiben .....